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Heirate mich

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Die Band traf sich zu einem der vielen Meetings bei Richard. Seit Tagen herrschte extrem schlechte Stimmung in der Band und er war nicht ganz unschuldig an der Situation. Die Grundstimmung in der Casa Kruspe war wirklich seit geraumer Zeit zum Kotzen. Er ließ sich total gehen, trank haufenweise Schnaps und nahm viel zu viel Koks. Das schlug sich in seiner miesen Laune nieder, die er ganz selbstverständlich, an uns allen ausließ. Irgendwann musste das ja schiefgehen. So nach und nach trudelten die Rammsteiner ein. Sie versammelten sich im Wohnbereich und ich verzog mich in die Küche. Schon nach kürzester Zeit wurde es laut. Streit, wie so oft in letzter Zeit. Die Küchentür öffnete sich und Paul trat ein. Er schloss die Tür und bediente sich am Kühlschrank. Er öffnete ein Bier und setzte sich zu mir an die Kücheninsel. "Wie du den aktuell erträgst, ist mir ein Rätsel. Wir müssen da echt was machen. Er reitet sich noch selbst ins Verderben." Ich schüttelte nur den Kopf. "Du glaubst ja gar nicht wie sehr ich mich an den Anfang zurücksehne. Da war alles noch ein großer Spaß." "Ja und dann haben wir irgendwie die Kontrolle verloren." "Ihr seid auch nur Menschen, da ist niemandem ein Vorwurf zu machen." Paulchen zog mich in seine Arme. Doch ich konnte das in dem Moment nicht gut ertragen. "Bitte lass Paul, ich bin sowieso so sehr den Tränen nahe." "Ist ok." Wir saßen dort einige Momente in Stille und versuchten das Geschrei, dass Richard und Schneider da gerade miteinander veranstalteten auszublenden. Dann hörte man einen dumpfen Knall. "Oh Mann!" schlug sich Paul die Hände vors Gesicht. "Das musste ja irgendwann so kommen." merkte er an. Sofort hörte man die Anderen umher wuseln. "Richard!" "Oh Gott!" Alles schien durcheinander zu geraten. Dann hörte man Flake, wie er einen Notruf absetzte. "Ja, bewusstlos." nahm ich an Gesprächsfetzen wahr. Paul und ich sahen uns mit Horror in den Augen an. Die Tür öffnete sich und Ollie trat in die Küche. "Ich glaube, der stirbt uns hier gerade weg." gab er verzweifelt von sich. Sofort sprangen Paul und ich auf. Wir ließen Ollie in seinem Schockzustand einfach so stehen. Was wir im Wohnzimmer vorfanden, hätten wir uns, in unseren schlimmsten Albträumen, nicht ausmalen können. Flake, wie er über Richard gebeugt war. Eine riesige Blutlache am Boden und Till, wie er unentwegt auf Schneider einschlug. Mir rauschte das Blut in den Ohren und mir wurde ganz elend. Paul ging sofort auf die Knie. "Nein, nein, nein, nein, nein, nein…", sagte er immer wieder. "Lässt hier jemand vielleicht mal den Notarzt rein", brüllte Flake hysterisch, währenddessen er Richard wiederbelebte. Till ließ von Schneider ab und öffnete den Sanitätern die Tür. Sofort wurde es noch wuseliger. Alles zog an mir vorbei, wie im falschen Film. Fassungslos stand ich da. Ich sah zu Paul. Er kniete tränenüberströmt am Boden. Dann sah ich zu Till, der mit seinen blutigen Händen im Flur stand. Weiter hinten im Zimmer sah ich Schneider, wie er Blut und Zähne ausspuckte. Was war hier gerade nur los? Ich verstand gar nichts mehr. Flake stand kreidebleich im Raum und starrte mich an. "Flake", flüsterte ich. Eine dicke Träne lief ihm über die Wange. So hatte ich ihn noch nie gesehen. "Es tut mir leid", sagte er tonlos zu mir. So langsam aber sicher dämmerte mir, was hier wohl passiert sein musste. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Richard war inzwischen intubiert und auf eine Trage verfrachtet worden. Er wurde manuell beatmet, sein Hals trug eine Krause und in seinem Arm steckte eine Kanüle. Er sah aus, als würde er friedlich schlafen. "Wir bringen ihn in die Notaufnahme, bitte finden Sie sich schnell dort ein." Auch Schneider wurde mitgenommen, nachdem seine Zähne aufgesammelt worden waren. Zurück blieben eine riesige Schweinerei und fünf Männer, die nicht wussten, wie ihnen geschah. "Abfahrt", sagte dann Ollie irgendwann und riss uns alle aus der Schockstarre. "Ich fahre." Die kurze Fahrt ins Klinikum verlief schweigend. Wir fragten uns durch und landeten dann allesamt in der Notaufnahme. Es dauerte nicht lange und ein Arzt trat vor uns. "Wer ist der Ehemann von Herrn Kruspe?" Ich meldete mich wortlos. "Ich muss sie unter vier Augen sprechen." "Sprechen sie frei, wir sind eine Familie", entgegnete ich ihm. "Es tut mir leid, ihr Mann ist soeben verstorben. Das Trauma war zu groß. Er hat es nicht überlebt." Ich schlug sofort die Hände vor mein Gesicht und begann Sturzbäche an Tränen zu vergießen." "Sie können dann in Kürze zu ihm. Zudem werden sie sich mit der Polizei auseinandersetzen müssen. Ihr Kollege Schneider wird übrigens wieder. Bitte bleiben Sie hier und entfernen Sie sich nicht." Dann ging der Arzt seiner Wege. "Ich bringe ihn um!" schnaubte Till. Paul hatte sein Gesicht in meinem Schoß vergraben und weinte ebenso bitterlich wie ich. "Ich brauche mal kurz zwei Minuten", sagte Flake und stand auf. "Es tut mir so leid", kam es von Ollie. Flake kehrte nach einer kurzen Stresszigarette zu uns zurück. Dann kam eine Schwester auf uns zu. "Sie können nun zu Herrn Kruspe." Schweigend folgten wir ihr. Als ich Richard da so liegen sah, glaubte ich fast in Ohnmacht zu fallen. Paul zog mich eng an sich und sofort begannen wir miteinander zu weinen. Ich riskierte noch einen Blick. Da lag er. Wunderschön wie immer. Ich erlebte den Rest des Abends wie in einem Vakuum. Papiere wurden unterzeichnet, das Personal sprach zu mir und ich nickte meist nur. "Ich helfe dir bei allem." hatte Till zu mir gesagt und liebevoll meine Schulter gedrückt. Auch die Polizei tauchte auf und nahm einen ersten Tatbestand auf. Die Schilderungen von Ollie, Flake und Till gaben mir endgültig den Rest. Als alle Formalitäten erledigt waren, durften wir gehen. "Ich fahre euch heim, bat Ollie an." "Ich gehe mit dir", strich mir Paul sanft über den Rücken, "jemand muss die Schweinerei aufwischen und bei dir bleiben". "Ich komme auch mit. Ich wische das Blut auf, schließlich ist es meine Schuld, dass es überhaupt dort ist und jemand muss es dem Rest der Familie sagen, das sollte ich tun." "Ich bin dir so dankbar Till, dass du das übernimmst und auch danke an dich Paul, dass du mit mir kommst, ich bin froh, dass ich nicht alleine bleiben muss." Flake und Ollie gingen derweil nach Hause und informierten den erweiterten Kreis, über die Vorkommnisse des heutigen Tages. Zu Hause angekommen kümmerten Till und Paul sich um das Blut. Ich ging währenddessen in die Küche und goss uns allen ein großes Glas Whiskey ein. Schweigend und völlig verstört, saßen wir an der Kücheninsel und ertranken unseren Kummer im Alkohol. Dann stand Till auf und räusperte sich. "Ich muss dann mal." Wir umarmten uns alle noch und dann verließ Till die Wohnung. Paul und ich frönten noch weiter der Betäubung durch den Schnaps. Immer wieder schniefte Paul und dann irgendwann platzte es aus ihm heraus. "Ich werde ihn so sehr vermissen." Wieder sammelten sich Tränen in meinen Augen und ich weinte unendlich lange vor mich hin. Als die Whiskeyflasche leergetrunken war, taumelten wir sturzbetrunken in Richards und mein Bett. Sofort vergrub sich Paul in Richards Kissen. Er schnupperte daran und begann bitterlich zu weinen. Ich half ihm sich auszuziehen, weinte äußerst jämmerlich mit ihm und dann kuschelte ich mich eng an ihn und so schliefen wir dann doch irgendwann ein. Der nächste Morgen kam. Ich stand auf. Ich musste mich erleichtern und die Schnapsfahne loswerden. Also begab ich mich ins Badezimmer. Ich betrachtete mich im Spiegel. "Siehst gar nicht mal so gut aus." stellte ich fest. Nach der Morgentoilette schaute ich auf mein Telefon, 87 neue Nachrichten und 36 Anrufe in Abwesenheit. Gerade kam wieder ein Anruf rein und der Akku versagte. Halleluja, zum guten Glück, dachte ich mir. Ich ging in die Küche, um meinen Mineralstoffhaushalt auf Vordermann zu bringen. Dann ging ich zurück zu Paul. "Hey." strich ich ihm zärtlich durch die Haare. "Konntest du ein bisschen schlafen?" "Ich hatte ganz furchtbare Albträume. Zum Glück warst du bei mir, ich glaube ich hätte sonst einen Nervenzusammenbruch erlitten." Ich ziehe ihn eng an mich. "Kann ich hier einfach noch eine Weile bleiben, ich bin noch nicht so weit loszulassen." "Natürlich bist du das nicht", flüsterte ich und begann tieftraurig zu schluchzen. "Mein Gott Paul, was mach ich denn jetzt?" "Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht." schüttelte er den Kopf. Wir lagen noch Stunden, Arm in Arm, im Bett und weinten uns die Augen aus. "Ich hätte nie gedacht, dass mich etwas mal so sehr erschüttert." "Paulchen, das ist doch wohl klar. Uns ist soeben unsere gesamte Lebensgrundlage genommen worden. Rammstein ist tot. Einer deiner besten Freunde ist tot und der andere, muss, wenn er Pech hat, in den Knast." "Oh Gott Schneider. Wie es ihm wohl gehen muss?" "Ich tippe auf scheiße. Ich muss ihn unbedingt sprechen." Völlig erschöpft schlafen wir irgendwann wieder ein. Ich werde erst wieder wach, weil es an der Tür klingelt. Ich stehe auf und schlurfe müde zur Tür. Draußen steht Till. Ich lasse ihn rein. "Hey." begrüße ich ihn nüchtern. Er zieht mich in seine Arme. Auch er sieht total fertig aus. "Du hast bestimmt auch noch einen richtigen Kackabend gehabt." "Hör bloß auf. Sowas will ich nie wieder erleben." "Magst du was trinken?" "Ja, Bier bitte." Wir gehen in die Küche, setzen uns und dann hole ich uns beiden ein Bier. Wir stoßen an. "Auf Richard." Ich nicke nur. "Ist Paul noch da?" Ich nicke wieder. Till steht auf und zieht mich zärtlich in seine Arme. Ich weine stumm an seiner Schulter und auch ich spüre, wie Tränen auf mein Haupt fallen. "Es tut mir so leid." "Mir tut es auch leid." "Schneider muss in den Bau." "Das habe ich mir schon fast gedacht. Ich muss ihn unbedingt sehen." "Ich kann ihm nicht mehr in die Augen sehen." "Till!" ermahne ich ihn. "Ich hab rotgesehen." "Ich weiß doch." Er stürzt sein Bier hinunter. "Ich muss los. Ich kläre das mit der Beerdigung. Zum Glück hat Richard da vorgesorgt, das wird dann hoffentlich schnell erledigt sein." Ich küsse Tills Schläfe und nicke. Mehr bringe ich leider nicht zustande, denn meine Kehle schnürt schon wieder zu. "Bleib tapfer." Er wuschelt mir durch die Haare und dann ist er auch schon wieder weg. Ich verdrücke ein paar Tränen, trinke mein Bier aus und dann bewege ich mich wieder zurück ins Schlafzimmer. Paul liegt da und starrt die Decke an. "Magst du etwas essen oder trinken?", frage ich ihn. "Ich kann nicht." Ich stehe auf, gehe in die Küche und hole ihm zumindest eine Flasche Wasser. "Leg dich bitte wieder zu mir", bittet er mich. Ich ziehe mein Shirt aus und schmiege mich an Pauls Rücken. "Ich brauche dich doch auch, Paul." Er dreht sich zu mir um. "Meinst du wir überstehen das?" "Wir haben doch gar keine andere Wahl." "Till war kurz da?" "Ja, er kümmert sich netterweise um die Beerdigung." Paul legt seine Stirn an meine und atmet schwer aus. "Das wird der Horror." "Ich glaube auch." "Ich fühle mich wie paralysiert", sagt er. Ich ziehe ihn näher an mich heran und streiche zärtlich über seinen Kopf. "Danke, dass du mich hier sein lässt und auch noch Trost für mich übrig hast. Du bist unendlich stark." "Das stimmt nicht, Paul und das weißt du." Ich schniefe und muss mir schon wieder ein paar Tränen aus den Augen wischen. Ich atme schwer aus. "Lass mich dich festhalten", sagt er. Wir liegen weinend beieinander. "Ich kann so langsam nicht mehr. Ich bin total am Ende. Selbst das Weinen strengt mich an", sage ich. Paul küsst mich auf den Kopf, dann auf die Schläfe, dann auf die Wange, dann legt er seine Rechte in meinen Nacken und küsst mich auf den Mund. "Bitte", sagt Paul, "ich brauche dich jetzt." Er küsst mich wieder auf den Mund und ich bin viel zu verstört, um mir jetzt auch noch darüber Gedanken zu machen. Ich lasse es einfach geschehen und küsse ihn zurück. Wir küssen uns sehr lange, ganz keusch und ohne Zunge, auf unsere Münder. Irgendwann bricht er die unschuldige Küsserei: "Danke, dass du mich nicht wegstößt." "Paul, das könnte ich nie. Bitte bleib bei mir. Ich stehe das hier nicht alleine durch." "Ich gehe nicht weg, niemals. Ich bin sonst total verloren." Völlig erschöpft schlafen wir Seite an Seite ein.

 

Der nächste Tag beginnt und ich werde wach, weil es an der Tür klingelt. Es ist wieder Till. Ich lasse ihn selbstverständlich rein. "Hallo mein Lieber." begrüße ich ihn. Er nimmt mich liebevoll in seine Arme. Er sieht aus, als habe er nicht geschlafen. Ich streiche über seine Wange. "Mensch Till, du siehst auch extrem am Arsch aus." "Ja, ich war gestern noch bei Flake. Das ist völlig in Schnapssauferei ausgeartet. "Oje." Ich streiche ihm liebevoll die Haare aus dem Gesicht. "Ich habe News wegen Schneider. Er will dich unbedingt sehen. Sie haben ihn vorsorglich in U-Haft genommen. Du kannst ihn besuchen, falls du das willst. Du hast eine Nachricht auf deiner Mailbox deshalb." "Das Telefon, ja, da war ja was. Das muss ich mal laden. Ich kümmere mich darum, Till." "Die Beerdigung wird auch geplant, einen Termin haben wir aber noch nicht, ich halte dich auf dem Laufenden." "Ich danke dir so sehr." "Wie geht es Paul?" "Der ist total von der Rolle. Er kam bisher noch gar nicht aus dem Schlafzimmer. Weint sich regelmäßig an Richards Kopfkissen in den Schlaf." "Kommst du damit klar?" "Ich bin wirklich froh, dass jemand permanent da ist. Ich bin euch allen so dankbar." Er nickte. "Ich muss ins Bett, wir sehen uns morgen." "Bis morgen, schlaf dich aus, Till." Ich schließe die Türe und hänge mein Telefon an die Buchse. Als ich es einschalte, sind noch viel mehr Anrufe und Nachrichten eingetrudelt. Ich suche die Nummer der Staatsanwaltschaft heraus. Dort erfrage ich Schneiders Fall und beantrage dann beim Haftrichter den Besuchstermin. Dieser wird zum Glück genehmigt. Morgen geht es also zu Schneider. Ich habe immer das Bild vor mir, wie er seine Zähne ausspuckt. Grässlich. Ich scrolle noch ein wenig durch die Nachrichten. Alles Beileidsbekundungen aus dem R+ Universum. Alles nicht so wichtig. Ich kümmere mich jetzt erstmal um Paul und mich. Ich gehe in die Küche und hole uns Joghurt. Wir müssen dringend etwas essen. Ich gehe ins Schlafzimmer, ziehe die Rollläden hoch und lüfte mal kräftig durch. Paul schaut mich müde an. "Hallo mein Herz, ich habe dir einen Joghurt gebracht, bitte iss ihn und trink etwas Wasser." Er nickt. "Wenn du fertig bist, gehen wir duschen." Er nickt wieder. Gesagt, getan. Der Joghurt ist verspeist, das Wasser ausgetrunken und dann begeben wir uns ins Bad. Ich helfe Paul aus seinen Unterhosen und schiebe ihn in die große Duschkabine. Ich entledige mich ebenfalls meiner Kleidung und dann folge ich ihm. Ich stelle das Wasser an und genieße das lauwarme Wasser auf meiner Haut. Paul steht relativ unbeteiligt daneben. Ich drücke ihm Shampoo in die Hand. "Los jetzt!", sage ich und seife meine Haare ein. Er tut es mir gleich. Nachdem ich meine Haare gewaschen habe, ist mein Körper dran. Paul wäscht sich auch, in kompletter Stille. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich auf eine depressive Verstimmung tippen. "Mensch Paulchen." Ich ziehe ihn an mich und küsse seine Stirn. Ich nehme ihn in meine Arme und streichle zärtlich seine weiche Haut. "Komm, ich trockne dich ab." Wir steigen aus der Dusche und ich wickle ihn und mich in ein Handtuch. Paul ist heute dermaßen schwerfällig unterwegs, hoffentlich wird das morgen besser. Ich trockne ihn ganz fürsorglich ab und dann beginne ich: "Ich gehe morgen zu Schneider in die JVA." Er reißt sofort die Augen auf. "Ich bin gespannt, was er zu sagen hat." Paul nickt. "Ist das alles, was du dazu zu sagen hast?", frage ich. Nach einer ganzen Weile antwortet er mir: "Nein, natürlich nicht. Ich will doch auch wissen, was er zu seiner Verteidigung zu sagen hat." "Ich werde es dir morgen berichten. Ich hoffe, ich kann dich ein bisschen allein lassen?" "Ich werde schon klarkommen. Keine Sorge." "Gut." Als wir im Bad fertig sind, gehen wir in die Ankleide, denn wir brauchen frische Kleidung. Ich krame Paul ein übergroßes Shirt und eine Shorts von mir heraus. "Meinst du, ich kann auch etwas von Richards Sachen anziehen?" "Klar, such dir etwas aus." Er schnappt sich eine Trainingshose und eins seiner gewöhnungsbedürftigen Longsleeves. Paul sind die Sachen deutlich zu groß, aber das macht ja nichts. "Danke." haucht er und da brechen schon wieder alle Dämme. Auch ich finde die Situation herzzerreißend und weine bittere Tränen. Ich sacke auf dem Boden zusammen und bekomme einen richtigen Weinanfall. Paul geht vor mir auf die Knie und zieht mich eng an sich. Er streicht mir mit seiner Rechten über den Kopf und versucht mich zu beruhigen. "Shhhhhh mein Liebling, ich halte dich fest, ich bin ja da, weine ruhig." Er schmiegt sich an mich und auch ich spüre seine feuchten Wangen. "Oh Paul." schluchze ich. "Komm", sagt er und zieht mich auf die Füße. Dann bugsiert er mich ins Bett. Er schließt die Fenster und lässt die Rollläden herunter und legt sich dann zu mir und hält mich ganz fest. Er küsst mir die Tränen weg. "Du bist so lieb zu mir Paul." "Eigentlich hab ich dich grade ziemlich zum Weinen gebracht." "Nein Paulchen, das wäre früher oder später sowieso passiert. Behalte die Sachen, wenn du möchtest." Er schaut mich mit großen Augen an. Ich nicke ihm bestätigend zu und wieder laufen endlos viele Tränen sein Gesicht hinab. So weinen wir noch eine ganze Weile Arm in Arm. Ich streiche ihm die Tränen, mit den Daumen, aus dem Gesicht und dann lächeln wir uns zum ersten Mal seit, ja seit wann eigentlich, an. "Mein Paulchen hat sein Grinsen zurück." freue ich mich und ziehe ihn eng an mich. "Du zum Glück auch." er streicht mir liebevoll über den Kopf. Wir zögern noch etwa eine Millisekunde und beginnen uns dann stürmisch und leidenschaftlich zu küssen. Es geht sofort mit Zunge heiß her und seine Hände landen zügig auf meiner Brust. "Wenn ich zu weit gehe, dann sag einfach etwas." Ich schüttle den Kopf. "Ich glaube, wir haben uns ein bisschen Zärtlichkeit und Freude verdient." Paul zieht mich eng in seine Arme und sagt: "Ich hoffe wir stehen das hier gemeinsam durch und bleiben vielleicht auch darüber hinaus zusammen?" fragt er. "Paulchen, ich kann mir niemand Anderen vorstellen. Das wird uns mit Sicherheit eng zusammenschweißen." "Ich will, dass du an meiner Seite bleibst. Stoß mich bitte nicht weg." "Dafür gibt es doch überhaupt keinen Grund." Wir lächeln uns wieder an. "So tragisch und einschneidend das hier ist, so froh bin ich darüber, dass ich da nicht allein durch muss. Sondern, dass du für mich da bist, Paul." "Wahre Worte und jetzt komm her und lass mich dir alle Liebe dieser Welt geben." Wieder zieht er mich eng an sich und küsst mich zärtlich auf die Lippen. Doch dann beginnt er: "Ich mache mir nur etwas Sorgen, ob sich nicht das Maul darüber zerrissen wird?" "Ich sehe das so, wir sind erwachsene Männer, die wahrscheinlich das folgenschwerste Ereignis ihres Lebens zu bewältigen haben. Mein Ehemann ist tot, deine Band ist tot, dein bester Freund ist tot und unser anderer Freund, schmort sicherlich die nächsten Jahre im Knast. Wir haben so viel verloren, da wird man uns ja wohl ein bisschen Verständnis entgegenbringen können." "Für deine realistische und nüchterne Weltsicht liebe ich dich. Bei dir gibt es kein Beating around the bush, bei dir weiß man immer woran man ist. Für manche mag das brutal sein, aber ich mag es lieber so, wie andersrum. Flake ist auch so und den ertrage ich nun schon gefühlt mein halbes Leben." Wir lachen wieder. "Das fühlt sich wirklich gut an, mal durchzuatmen." "Ja, wir werden noch genügend Tränen vergießen." "Morgen geht es ja gleich weiter, wenn ich zu Christoph gehe. Ich kann Till Bescheid sagen, dass er herkommen soll, während ich weg bin. Er leidet auch unendlich, weil er eigentlich grade die Drecksarbeit macht. Ein bisschen Paulchen tut ihm wahrscheinlich auch ganz gut. Zudem hat er auch schon nach dir gefragt." "Das ist eine gute Idee. Du hast so ein gutes Herz. Du verdienst es wieder glücklich zu werden." "Mit dir an meiner Seite wird mir das hoffentlich vergönnt sein. Vor allem haben wir beide Richard geliebt, wir werden sein Vermächtnis in Ehren halten und ihn nie vergessen. Es war in letzter Zeit nicht leicht mit ihm, aber das tut nichts zur Sache. Nobody's perfect. Ich liebe ihn und vermisse ihn so sehr." Wieder versagt mir die Stimme, meine Unterlippe beginnt zu zittern und große Tränen kullern mir über die Wangen. Paul schluchzt laut auf und weint ganz kläglich an meiner Seite. Wir liegen so eng umschlungen beieinander und brauchen erstmal eine ganze Weile bis wir uns beruhigt haben. Paul streichelt mir ganz lange den Rücken. Als die Tränen versiegt sind, beginnt er: "So etwas solltest du auf seiner Beerdigung sagen." "Nein Paulchen. Ich werde da gar nichts sagen. Ich bin mir nicht mal sicher, wie ich das durchstehen soll. Ich fürchte mich so sehr vor dem Tag." "Ich mich ehrlich gesagt auch." "Ich werde dort sicherlich permanent weinen und überhaupt nichts sagen können. Mir wird schon ganz schlecht, wenn ich nur dran denke." "Ich hoffe wir überstehen das irgendwie." Dann zieht er mich wieder eng an sich. "Wann musst du morgen eigentlich zu Christoph?" "Schon recht früh." "Dann gehen wir wohl besser schlafen, ich bin so hundemüde, das ganze Geweine, macht mich so sehr groggy." "Ok Paulchen, dann lass uns besser schlafen." Wir ziehen uns nochmals eng in die Arme und küssen uns zärtlich. "Schlaf gut Paulchen." "Du auch mein Schatz." Mir fielen die Augen zu und ich schlief wirklich bis zum nächsten Morgen durch.

 

Ich erwachte und Paul schlief noch. Ich schlich mich aus dem Schlafzimmer und klemmte mich hinter das Telefon, um Till zu mobilisieren. Es klingelte zweimal und dann ging er auch schon dran. "Till hier." "Hey mein Bester, wie geht es dir heute?" "Besser." "Das ist schön zu hören. Kannst du mir einen Gefallen tun? Bitte?" "Alles was du willst." "Ich fahre gleich zu Christoph in die JVA, kannst du vielleicht vorbeikommen und ein Auge auf unser Paulchen werfen? Der würde sich sehr freuen, wenn du vorbeikommst." "Ich bin schon unterwegs." "Danke. Bis gleich." Ich ging flott ins Bad zur Morgentoilette, zog  mir etwas an und dann ging ich zurück ins Schlafzimmer, um Paul zu wecken. Ich strich ihm sachte über seine Schulter. Er schlug die Augen auf und lächelte mich an. "Hey Liebling, ich mache mich jetzt auf den Weg, Till kommt gleich. Frühstückt doch gemeinsam, ich habe da sicherlich nicht länger als 30 Minuten Zeit." "OK. Gib mir bitte einen Kuss." Ich beugte mich zu ihm hinunter und gab ihm ein kleines Küsschen auf seine Lippen. "Bis später, mein Schatz." "Bis später mein Herz." Ich verließ die Wohnung und fuhr mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage. Ich stieg in Richards schicken schwarzen Mercedes und fuhr zur JVA. Dort angekommen wurden meine Personalien gecheckt und ich musste alle persönlichen Gegenstände abgeben, zudem wurde mir ein Aufpasser zur Seite gestellt. Ich wurde leicht nervös. Der Aufpasser zeigte mir den Weg zu den Besucherräumen und hielt sich dann im Hintergrund. Kurz darauf wurde Christoph hereingebracht. Mir verschlug es sofort die Sprache. Christoph sah furchtbar aus. Till hatte ihm wirklich ganz gewaltig eingeschenkt. Sein Gesicht war mehr lila-schwarz als alles andere. Blutunterlaufene Augen, Platzwunden. Einfach nur brutal. Wir setzten uns an einen Tisch und es dauerte ganze 18 Worte: "Es tut mir so leid. Könnte ich die Zeit zurückdrehen, ich würde die Hand nicht gegen ihn erheben." Mir standen schon wieder die Tränen in den Augen. Ich musste laut schniefen. Meine Wangen glühten. Ich senkte meinen Blick und die Tränen fielen zu Boden. "Was ist genau passiert Christoph?" "Es ist genauso gewesen, wie es Till, Ollie und Flake zu Protokoll gegeben haben. Es war ein großes Unglück. Ich hätte mich niemals so vergessen dürfen. Die Strafe wird wohl mindestens fünf Jahre, bei viel Pech eher 10 betragen. Kommt ganz auf das Gutachten an. Ich hab uns allen das Leben ruiniert, ich weiß nicht mal, ob ich damit klarkomme. Es tut mir so unendlich leid." "10 Jahre, mein Gott Christoph." Weitere Tränen laufen mir über die Wangen und auch Christoph ist mittlerweile den Tränen nahe." "Ich habe die Strafe verdient. Ich habe ein Leben auf dem Gewissen. Ich hab deinen Ehemann totgeschlagen. Er war doch mein Freund." Dann beginnt er bitterlich zu weinen. "Ich verlange gar nicht, dass du mir verzeihst, wie könntest du denn auch? Ich kann mich schon glücklich schätzen, dass du überhaupt gekommen bist, um mich anzuhören." "Wie ist es genau passiert?" "Er hat sich wieder aufgeführt wie der Göttervater und ich habe mich provoziert gefühlt. Ich habe ihn glaube ich einfach ungünstig erwischt. Ich wollte das doch nicht." Er vergräbt sein Gesicht in seinen Händen und weint erbärmlich. Ich weine mit ihm. Nach einer ganzen Weile der Stille fragt er: "Ist jemand bei dir, der dir Gesellschaft leistet und kümmert sich jemand um die unangenehmen Dinge, sodass du es nicht tun musst?" "Ja, keine Sorge, Paul und Till sind für mich da." "Gut." "Besuchszeit vorbei." ertönt es von der Aufsicht. Ich richte nochmal das Wort an ihn: "Till bat mich darum tapfer zu sein. Das erwarte ich nun auch von dir." Er nickt. "Danke, dass du hier warst." Ich nicke ebenso, bringe aber kein Wort mehr raus. Die Aufsicht führt mich aus dem Besucherraum, zurück in die Schleuse, in der ich mein Hab und Gut lassen musste. Ich weine die ganze Zeit ununterbrochen. Ich bekomme alle Sachen zurück und dann werde ich zum Ausgang gebracht. Ich verlasse die JVA und fahre zurück nach Hause. Dort parke ich in der Tiefgarage und fahre wieder mit dem Fahrstuhl in die Wohnung. In der Wohnung angekommen finde ich Paul und Till vor. Sie sitzen in der Küche und essen Brezeln. Paul zieht scharf die Luft ein, als er mich so völlig verweint und entkräftet sieht. "Wie war es?" will Till wissen. "Furchtbar. Du erkennst ihn kaum wieder und es kann wohl sein, dass fünf Jahre Haft gar nicht ausreichen. Er hat eure Aussage komplett bestätigt und hadert ganz schrecklich mit sich selbst." "Hat er dich um Verzeihung gebeten?", fragt Till. Ich schüttle den Kopf. "Nein, er sagt, es sei sowieso unverzeihlich." Paul atmet schwer aus und vergräbt sein Gesicht in seiner Armbeuge und auch bei Till ist alles zu spät. Er flucht vor sich hin und streicht sich die dicken Kullertränen aus dem Gesicht. Meine Freunde so zu sehen, bestürzt mich in einer Art und Weise, dass ich es kaum fassen kann. Ich habe unendlich viel Mitgefühl für die beiden übrig. Die Trauerrunde wird durch das Klingeln von Tills Telefon unterbrochen. Er geht aus der Küche, um zu telefonieren. Paul zieht mich sofort eng an sich. Er schmiegt seinen Kopf an meine Brust und ich streiche über seinen Kopf. Till ist flott zurück. "Die Obduktion ist abgeschlossen. Jetzt können wir die Beerdigung angehen." In meinem Gesicht macht sich das absolute Entsetzen breit. Till schaut mir eindringlich in die Augen und merkt sofort meinen innerlichen Distress. Ich atme schwer aus. Unkontrolliert laufen mir wieder die Tränen über das Gesicht. "Ich halte das nicht aus." schluchze ich ganz erbärmlich. Ich löse mich aus Pauls Umarmung, verlasse die Küche, gehe ins Schlafzimmer und weine mir, an Richards Kopfkissen, ganz extrem die Augen aus. Keine drei Sekunden später schmiegt sich Paul, rechts von mir, an mich und auch Till setzt sich links von mir aufs Bett und krault mir den Kopf. Nach einer ganzen Weile drehe ich mich um und versuche etwas zu sagen. Doch mehr als ein Krächzen kommt nicht hervor. "Hör zu, Paul hat mir erzählt, dass du den absoluten Horror verspürst, wenn du nur an die Beerdigung denkst. Das wird keine große Veranstaltung mit unendlich vielen Beileidsbekundungen. Das verspreche ich dir und die Grabrede wird auch jemand anderes halten." Ich nicke stumm. "Ich muss los, es gibt noch eins, zwei Telefonate zu erledigen. Till streicht mir nochmals durch die Haare und ich hauche leise "Danke." Dann ist er gegangen und ich bleibe mit Paul zurück. Er streichelt mir liebevoll den Arm. "Oh Paulchen, das war heute ein richtiger Scheiß. Ich hoffe jemand kann Schneider helfen, ich hoffe es wird alles irgendwann wieder gut." "Gib uns Zeit." Ich nicke. Dann landen seine zarten Lippen auf meinen und ich ziehe ihn eng an mich. Den Rest des Tages verbringen wir mit dem Abhören der ganzen Mailbox Nachrichten und dem Beantworten dieser. Ich bin froh, dass Paul da ist. Er lässt alles so viel einfacher erscheinen. Mein Sonnenschein. Was würde ich nur ohne ihn tun? Ich muss mir unbedingt etwas Nettes für ihn und Till ausdenken und ich muss auch immer wieder an Schneider denken. Er machte mir auch eher den Eindruck, als sei er kurz davor durchzuknallen. Hoffentlich kann er mit jemandem, im Knast, reden. Ich will mir gar nicht ausmalen, was für Gedankengänge er haben muss, wenn er Nachts alleine in seiner Zelle ist.

 

Einen Tag später sitzt die ganze R+ Crew bei der Testamentseröffnung. Es ist unendlich traurig und es werden viele Tränen vergossen. Die Rechte an R+ gehen zu gleichen Teilen an die anderen fünf Mitglieder. Sein restliches Hab und Gut wird an mich gehen. Ich bin so sehr neben der Spur, dass mich die anderen heim bringen müssen. So sitzen dann Ollie, Flake, Till und Paul in der Küche und wir machen uns am Vodka zu schaffen. Das beruhigt die Nerven. Flake und Ollie habe ich seit dem verhängnisvollen Tag gar nicht mehr gesehen. Ich bin froh, dass sie hier sind. "Habt ihr Hunger?", frage ich in die Runde, nachdem ich wieder einigermaßen ansprechbar bin. "Ich habe heute noch gar nichts gegessen." führe ich weiter aus. "Lasst mich etwas bestellen und euch einladen." Alle stimmen zu noch zum Essen zu bleiben. Ich bestelle etliche Pizza- und Nudelgerichte, dann decke ich den Tisch und entkorke uns eine Flasche Wein. Wir sitzen an der langen Tafel, prosten uns zu und beginnen zu Essen. Die angespannte Stimmung löst sich dann, nach einer weiteren Flasche Wein, auf. Ich finde auch noch eine Flasche Kräuterschnaps, die auch noch in Angriff genommen wird. Die Stimmung wird sogar noch richtig ausgelassen, als die anderen Geschichten aus den R+ Anfangstagen erzählen, als Richard und ich uns noch gar nicht kannten. Es tut mir richtig gut zu sehen, wie alle, trotz des unerfreulichen Grunds des Zusammentreffens, ein wenig Spaß haben. Auch Paul merkt mir an, dass ich hin- und hergerissen bin zwischen meiner schier endlosen Traurigkeit und einem endlosen Dauergrinsen. Er knufft mir liebevoll in den Oberschenkel, zieht mich an sich und küsst mich auf die Haare. "Ich danke euch so sehr, dass ihr da seid." schniefe ich. "Die Abwechslung, die ihr mir hier bietet, habe ich wirklich gebraucht." Als die anderen gegangen sind, bleibe ich mit Paul allein zurück. Wir räumen auf und genehmigen uns noch ein Gläschen Wein. "Das war doch eigentlich ein gelungenes Abendessen." merkt Paul an. "Ja, es war wirklich eine willkommene Abwechslung." "Ich wollte dich eigentlich schon die ganze Zeit etwas fragen, wollte aber erstmal abwarten, bis die Finanzen geklärt sind." Ich spitze die Ohren. "Also du musst da jetzt natürlich nicht gleich etwas dazu sagen und wenn du da total dagegen bist, dann muss ich da irgendwie mit klarkommen, aber ich wollte fragen, ob ich hier vielleicht mit einziehen darf? Du würdest mir eine unendlich große Freude machen." Ich beginne breit zu grinsen. "Du kannst glaube ich meine Gedanken lesen, Paul. Ich wollte dir das sowieso anbieten, nicht nur, weil ich mir diese riesen Wohnung allein gar nicht hätte leisten können, sondern auch, weil ich dich unbedingt bei mir haben will und ich weiß doch, wie sehr dein Herz an der Wohnung und den damit verbundenen Erinnerungen an Richard hängt, bitte zieh zu mir." Er küsst mich stürmisch auf die Lippen und umarmt mich dann ganz fest. "Danke." haucht er mir ins Ohr. "Nein Paulchen, ich muss dir danken. Es hätte mir vollends das Herz gebrochen, wenn ich hier hätte ausziehen müssen." "Das hätte ich zu verhindern gewusst, dass das passiert." Noch am selben Abend kündigte Paul seinen Mietvertrag in seiner aktuellen Wohnung.

 

Wir fuhren am nächsten Tag zu Paul und begannen seine wichtigsten Habseligkeiten einzupacken und umzuziehen. Gleich übermorgen würden die Besichtigungstermine in Pauls alter Wohnung beginnen und zu dem Zeitpunkt wollte er alle persönlichen Gegenstände entfernt haben. Der Umzug gestaltete sich wirklich einfach, da bis auf seinen Kleiderschrank keinerlei Möbel aus der alten Wohnung benötigt wurden. Generell war Paul kein Mensch, der unendlich viele unsinnige Habseligkeiten besaß. So gab es z.B. gar keinen Fernseher bei ihm und somit auch keinerlei DVDs und Kram, den sowieso niemand benutzte. Sein übriggebliebenes Inventar konnte er dann problemlos an den neuen Mieter verkaufen.

 

In unserer neuen gemeinsamen Wohnung angekommen, bauten wir seinen Schrank in der großzügigen Ankleide auf und Paul verstaute sein musikalisches Equipment in Richards Ministudio. Wir räumten seine Kleidung und Schuhe ein und er fand mehr als genügend Platz, um seine Toilettenartikel und Handtücher im Bad zu verstauen. Glücklich über die erbrachte Leistung, stiegen wir beide, zum Ende des Tages, zur Entspannung, in die Badewanne. Paul setzte sich nach hinten und zog mich eng an sich heran. In Stille saßen wir da und genossen unsere Zweisamkeit. Immer wieder strich er mir liebevoll über die Brust und küsste mir in den Nacken. Ich fühlte mich so geborgen und geliebt zugleich.

 

Am darauffolgenden Tag stand dann der Endboss an. Richards Beerdigung. Till hatte sich ja netterweise um alles gekümmert. Wir hatten noch am Vorabend miteinander telefoniert und beschlossen mit einem Taxi zum Friedhof zu fahren. Ich hatte die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Ich war einfach viel zu gestresst und aufgewühlt, wegen der ganzen Angelegenheit. Ich war nachts aufgestanden und hatte in alten Fotos gekramt und dabei ganz jämmerlich um Richard geweint. Zudem trat ich ein wenig in seine Fußstapfen. Bei der Umzugsaktion war ich auf Richards Koksvorrat gestoßen, der nicht beachtlich, aber dennoch ausreichend war, um mir kräftig die Sinne zu benebeln. Ich lag in tiefer Trauer zerflossen auf dem Fußboden, dort wo er reanimiert worden war, schnupperte an einem Pullover, den er noch kürzlich getragen hatte und vergoss unzählige Tränen. So ging das stundenlang, bis Paul meine Abwesenheit im Schlafzimmer bemerkte. Er trat in den Wohnbereich und fand mich dort in meinem erbärmlichen Zustand vor. "Oh Gott." schlug er sich die Hände vors Gesicht und begann ganz bitterlich zu schluchzen. Dann kniete er sich neben mich und strich mir zärtlich über meinen Rücken, bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte. "Es tut mir leid Paul, ich bin ein bisschen durchgedreht." schniefte ich. "Das ist dein gutes Recht." "Ich hoffe, das passiert mir nicht nochmal." "Du musst nur noch heute durchstehen. Dann wird es bestimmt einfacher. Du hast einfach Angst vor heute, das ist alles." "Danke Paul für dein Verständnis." Immer wieder strich er mir über den Rücken, bis mir die Augen schwer wurden und ich doch noch einschlief. Das Piepen des Weckers riss mich aus dem Schlaf. Ich lag in meinem Bett und Paul lag daneben und schaute mich liebevoll an. "Danke, dass du mich hergetragen hast." "Na klar, ich konnte dich da ja nicht so liegen lassen. Wie geht es dir?" "Ganz ok." "Wir müssen uns anziehen und dann los. Till kommt in 30 Minuten mit dem Taxi vorbei. Ich nickte und dann begaben wir uns zur Morgentoilette ins Bad. In der Ankleide suchte ich mir dann einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd heraus. Paul tat es mir gleich. Wir kleideten uns ein und banden uns dann gegenseitig eine schwarze Krawatte um. Wenn der Anlass nicht so traurig wäre, hätte ich ihm gesagt, wie scharf er doch aussah. Dann verließen wir die Wohnung. Das Großraumtaxi in dem schon Flake, Ollie und Till saßen, stand bereits vor dem Wohnhaus. "Hey!" begrüßten wir die Anderen. Dann fuhr das Taxi direkt zum Friedhof. Niemandem kam es in den Sinn, auch nur ein Wort zu sagen. Wir waren unfassbar spät dran, aber Till hatte Wort gehalten und so hatten sich am Grab nur die engsten Weggefährten versammelt. Ich wagte es nicht auch nur einem in die Augen zu sehen. Immer wieder betete ich innerlich ein Mantra herunter: Bleib locker. Aber an locker bleiben war nicht zu denken. Ich fühlte mich einfach nur beschissen. Mein ganzer Körper war extrem angespannt und ich konnte überhaupt nichts dagegen tun. Mir drehte sich der Magen um und alles begann sich zu drehen. Ich bekam so etwas wie eine Panikattacke. So schloss ich einfach die Augen. In meinen Ohren rauschte das Blut. Meine Schläfen pochten. Das war alles viel zu viel für meine Nerven. Ich registrierte irgendwann, dass die Beerdigung im Gange war, aber ich konnte nichts sehen, denn mir standen Unmengen Tränen in den Augen. Der Redner sprach irgendeine Litanei. Ich versuchte gar nicht hinzuhören. Bloß nicht zusammenklappen, dachte ich immer wieder und dann griff glücklicherweise Paul nach meiner Hand. Ich schaute kurz zu ihm und sah dann aus dem Augenwinkel, wie der Sarg zu Grabe getragen wurde. Das gab mir den Rest. Ich weinte bittere Tränen in Pauls Armen. Paul hatte alle Mühe, mich auf den Füßen zu halten. Mir wurde schlecht und meine Knie wurden weich wie Pudding. Zum Glück registrierte Till, dass ich wohl am Rande des Nervenzusammenbruchs war und so wurde ich von ihm hoch, in seine starken Arme genommen und was dann passierte, weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich fiel ich einfach in Ohnmacht. Ich kam wieder in meinem eigenen Bett zu mir. Ich öffnete meine Augen und zwei Augenpaare sahen mich besorgt an. Paul und Till saßen auf der Bettkante. "Hey, da bist du ja wieder", sagte Paul und griff nach meiner Hand. "Kann der Tag eigentlich noch furchtbarer werden?", fragte ich resigniert. Ich schlug mir die Hände vor die Augen und weinte stumm. Dann richtete Till das Wort an mich: "Ich hab das ehrlich gesagt nicht kommen sehen, dass es dich so hart trifft. Ich bin dir eine Entschuldigung schuldig." "Nicht!" schüttelte ich den Kopf. "Ich habe einfach alles ruiniert. Solch ein respektloses, selbstsüchtiges Verhalten ist unverzeihlich. Richard muss sich ja im Grab umdrehen." "Jetzt sei nicht so hart zu dir selbst." ermahnte mich Till. "Das ist mein schlimmster Albtraum, der da heute wahr geworden ist." "Das tut mir so unendlich leid", sagte Till. "Muss es nicht. Mir tut es leid. Ich wälze seit Tagen alles auf dich ab. Ich kann es dir schlecht verübeln, wenn du stinkwütend auf mich bist." "Ich bin doch nicht wütend auf dich. Jetzt beruhigst du dich erstmal und dann sprechen wir einfach morgen nochmal." "OK." "Ich bin dann weg. Ich bin ein paar Leuten eine Antwort schuldig." "Bis Morgen Till." Er beugte sich herunter, küsste meine Schläfe und verließ dann die Wohnung. Paul schaute mich derweil mit einem Blick an, der irgendwo zwischen Sorge und Mitleid lag. "Bitte verurteile mich nicht, Paul." Kopfschütteln. "Du bist doch bescheuert, was redest du denn da" "Paul, ich habe Angst, dass ich total überschnappe und nicht mehr die Kurve kriege." "Du bist in Trauer, nicht geistesgestört." "Ich bin mir da nicht mehr so sicher. Das hat mich heute schon ziemlich erschüttert, dass ich nicht mal in der Lage war, meinen eigenen Ehemann zu beerdigen." "Wie Till schon gesagt hat, du bist zu hart zu dir selbst." "Ich hoffe du hast recht Paul." "Ich hab immer recht." "Klar." Und dann konnten wir schon wieder ein bisschen miteinander lachen. "Mein Sonnenschein, was würde ich nur ohne dich tun" Er küsste mich zärtlich auf die Lippen. "Mein wunderschönes Paulchen." strich ich ihm über die linke Wange. "Ich würde dir so gern die Last von den Schultern nehmen, aber ich bin selbst viel zu schwach, um meine eigene Trauer, stemmen zu können." "Ach Paul, das stimmt doch so auch nicht. Du bist doch seit Tagen bedingungs- und ausnahmslos für mich da." Ich zog ihn eng an mich heran. "Das ist das, was ich meine, warum du definitiv nicht verrückt bist. Du hast so viel Mitgefühl für mich übrig, obwohl es dir selbst total dreckig geht. Woher nimmst du nur die Kraft?" "Das werde ich dir verraten, Paul." Er schaute mich mit großen Augen an. "Das ist einfach erklärt. Ich habe mich ganz doll in dich verliebt." "Wann ist das denn passiert?" "Ich würde sagen zur gleichen Zeit, wie du angefangen hast mich zu lieben?" Er atmet schwer aus. "Ja, das stimmt. Ich habe nur aus Respekt zu Richards und deiner Ehe die Klappe gehalten." "Ich weiß doch Paulchen. Ich verstehe es." Dann zog ich ihn wieder ganz eng in meine Arme und küsste ihn auf seine Haare. "Meinst du, wir können Richard und sein Vermächtnis in Ehren halten und trotzdem zusammen sein?" "Was machen wir denn hier gerade? Wir lieben ihn beide und verehren ihn und das bis ans Ende aller Tage und gerade sehe ich dank dir ein wenig Licht am Ende des Tunnels. Mach mich bitte glücklich, Paulchen." "Ich lass dich und das, was wir hier haben nie mehr los. Das ist, als würden wir eine eigene Sprache sprechen." "Wir passen einfach perfekt zusammen." "Das finde ich auch. Als du zur Gruppe gestoßen bist, war ich erst unendlich eifersüchtig auf dich, weil du Richard abgegriffen hattest, aber später hab ich's dann kapiert und war dann unendlich eifersüchtig auf Richard. Der Dickschädel hat einfach eure Ehe den Bach runtergehen lassen. Ich fand das so selbstsüchtig von ihm, wie er dir das Herz gebrochen hat." "So war er nun mal, wenn ihm langweilig wurde. Ich hab das natürlich gespürt, dass es zwischen uns schon vor Ewigkeiten gefunkt hat. Gleiches gesellt sich, sagt man doch immer." Er nickt und dicke Tränen flossen ihm aus den Augen. "Es wird eines Tages besser werden. Ich will, dass das mit uns wunderschön wird." "Das wird es." schluchzte er. Ich hielt ihn unendlich lange in meinen Armen, bis er völlig entkräftet eingeschlafen war. 

 

Am nächsten Morgen wachte ich auf und weckte sanft Paul. "Guten Morgen mein Sonnenschein." lächelte ich ihn an. "Du bist ja früh wach", entgegnete er mir. "Gehst du mit mir duschen und dann zum Friedhof? Ich hab da noch was zu erledigen." "Aber klar. Sollen wir Till bitten mitzukommen?" "Ich glaube, das ist eher eine Angelegenheit für uns beide." "Ich verstehe." Ich zog Paul eng in meine Arme und küsste liebevoll seine Schläfe. Dann standen wir auf und begaben uns ins Bad. Wir entledigten uns unserer Kleidung und sahen uns lange an. Mein Verlangen nach Paul war unendlich groß, aber ich musste erst noch mit Richard abschließen. Paul gab mir mit einem leichten Nicken, zu verstehen, dass er mir alle Zeit der Welt einräumte. Ich schmiegte mich trotz allem eng an ihn, um ihn ein bisschen zu spüren. "Gestern wollte ich dir eigentlich schon sagen, wie scharf du im Anzug ausgesehen hast, aber es schien mir nicht der richtige Zeitpunkt dafür." Er küsste mich liebevoll auf den Kopf. "Wir haben doch alle Zeit der Welt. Hier in unserem kleinen Kosmos, läuft doch die Zeitrechnung, wie wir es für richtig halten." "Bald Paul. Bald. Ich muss nur noch mit eins, zwei Dingen ins Reine kommen, dann gehöre ich ganz dir." "Ich warte auf dich, mein Schatz." "Danke." Wir stiegen gemeinsam in die Dusche. "Darf ich dir vielleicht die Haare waschen?", fragte ich Paul und er nickte. "Dann dreh dich um." Ich begann ihn mit der Duschbrause sanft abzuduschen. Immer wieder strich ich ihm dabei hingebungsvoll über den Kopf und durch die Haare. Dann stellte ich das Wasser ab und träufelte etwas Shampoo in meine Hände. Ich begann zärtlich seine Haare einzuseifen. Ich massierte liebevoll seine Kopfhaut. Paul fing leicht an zu stöhnen und seine Erektion machte sich bemerkbar. "Das tut so unendlich gut." Ich machte einfach unbeirrt mit der ausgiebigen Haarwäsche weiter und küsste dabei zärtlich seine erogene Zone hinter dem Ohr. Immer wieder kamen kleine Stöhnlaute aus seiner Kehle. Ich zog ihn ganz eng an mich und strich ihm immer wieder ganz fürsorglich mit der Linken über den Kopf. Mit meiner Rechten umfasste ich seine harte Männlichkeit. Ich begann sie sachte zu streicheln und ihm ganz langsam einen runterzuholen. Er drängte seinen knackigen Hintern an meine mittlerweile auch steinharte Erektion. Das Ganze war so sinnlich. Paul machte mich unwahrscheinlich an. Ich konnte einfach nicht aufhören ihn zu liebkosen. Ich begann seine Erektion fester in meiner Hand zu pumpen und er stöhnte laut auf. Dann fragte er leise: "Bist du sicher, dass du das tun willst?" "Ja, lass es mich dir bitte mit der Hand machen." Er nickte und drängte sich wieder gegen meinen Penis. Ich pumpte seine Erektion immer weiter und weiter und dann kam er mit einem tiefen "Jaaaaa." auf den Lippen.  Ich stellte das warme Wasser an und hielt ihn sehr lange in meinen Armen. "Dankeschön." hauchte er mit heiserer Stimme. "War das wirklich ok für dich?", flüsterte er schon fast. "Ich habe es so sehr gewollt, Paul. Ich wollte es unbedingt. Du siehst so schön aus, wenn du kommst." Paul begann leicht zu schniefen und mit tränenerstickter Stimme sagte er: "Ich hab es auch so sehr gewollt." "Ich weiß Paul, es ist in Ordnung. Sehr sogar." Ich hielt ihn lange fest, wusch dann den ganzen Schaum aus seinen Haaren, seifte seinen Körper ein und duschte ihn sauber. Dann duschte ich mich noch im Eiltempo und dann stiegen wir aus der Duschkabine und trockneten uns ab. "Irgendwie hab ich ein ganz komisches Gefühl, als würden wir Richard hintergehen." "Wir schließen das Kapitel heute noch ab. Hier wird niemand hintergangen, selbst wenn es sich fälschlicherweise so anfühlt." Er griff nach meiner Hand und strich sanft über sie. "Du hast ja recht." Wir putzten unsere Zähne und dann kleideten wir uns an. Wir verließen die Wohnung und fuhren mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage. Dort standen jetzt zwei schicke Mercedes. "Sollen wir meinen verkaufen?", fragte Paul. "Im Leben nicht. Richards Miefkarre geht in Kürze an den Händler zurück." Das Auto war der reinste Aschenbecher. Paul wollte trotzdem mit Richards Auto fahren und so sollte es sein. Am Friedhof angekommen, rutschte mir schon wieder das Herz in die Hose. Ich begann zu schwitzen und versuchte tief durchzuatmen. "Bereit?", fragte Paul und ich nickte. Wir stiegen aus und liefen den langen Weg zu Richards Grab. Ich hatte es ja noch gar nicht gesehen und mir verschlug es die Sprache, wie viele Kränze, Blumen und Figuren dort platziert waren. "Wow." entwich es mir. "Hat die Band, das Management und die Plattenfirma organisiert." Ich nickte anerkennend, setzte mich auf die Erde und starrte das Grab an. "Der Grabstein wird wunderschön. Mit einem riesen Engel an der Seite." "Das ist passend." "Till hat ein paar Textzeilen aufgeschrieben, die treffender nicht sein könnten." "Das habe ich gar nicht gewusst." "Ja, du warst etwas abwesend." "Oh." Sofort kam das schlechte Gewissen zurück. "Verrätst du mir, was er aufgeschrieben hat?" "Ohne dich, kann ich nicht sein, ohne dich, mit dir bin ich auch allein, ohne dich." "Hör bitte auf Paul." Ich begann bitterlich zu weinen, die Textzeilen trafen absolut zu. Mit dir bin ich auch allein. Diese wenigen Worte, schocken mich in solch einer Intensität, sodass es mich in der Seele schmerzte. Paul kniete sich neben mich und zog mich fest in seine Arme. Irgendwann versiegten die Tränen. "Ich werde jetzt ein paar Worte sagen." schaute ich Paul eindringlich an. Er nickte. "Richard, du wurdest ganz plötzlich aus dem Leben gerissen, mir entrissen, uns entrissen. Das ist unendlich traurig und ich bedaure diese Misere wirklich sehr und vermisse dich jede Sekunde. Leider bringt dich mir aber niemand mehr zurück und so muss ich Abschied von dir nehmen. Es bleibt mir keine andere Wahl. Ich werde dich immer lieben. Ich danke dir für alles und ich werde dich nie vergessen." Ich griff nach Pauls Hand und küsste seinen Handrücken. "Paul und ich passen ab jetzt aufeinander auf. Ich weiß, dass du es so gewollt hättest und dass du es verstehst. Wir lieben dich beide über alles, aber es muss weitergehen. Wir werden dein Vermächtnis in Ehren halten und wahrscheinlich noch viele Jahre um dich weinen, aber ich brauche Paul. Ich kann nicht allein bleiben. Das würde mich umbringen und das würdest du doch auch nicht so wollen, wenn du an meiner Stelle wärst. Na dann sind wir uns ja einig." Ich strich Paul mit der Linken über seine Wange. Er weinte stumm viele Tränen. Ich zog ihn fest an mich. "Das hast du schön auf den Punkt gebracht." schluchzte er. Ich weinte noch sehr lange mit Paul an Richards Grab.

 

Wieder daheim angekommen, setzten wir uns an die Kücheninsel und tranken ein Bier miteinander. "Fühlst du dich jetzt besser?", fragte Paul. "Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht so genau. Aber dieser symbolische Akt, des am Grabe sich alles von der Seele reden, empfand ich irgendwie als wichtig." Paul nickte. "Ich liebe dich, Paul. Das ist es, was jetzt zählt." Er stand sofort auf, zog mich fest in seine Arme und begann mich zärtlich zu küssen. Ich ließ es geschehen, denn es fühlte sich goldrichtig an. Ich hatte kein schlechtes Gewissen mehr. Ich wollte mich möglichst schnell mit Paul vereinigen und so richtete ich einfach das Wort an ihn: "Bitte Paulchen, bitte nimm mich." "Bist du bereit dafür?" "Ja Paul." "Puh." er atmete schwer aus. "Du machst mich damit unendlich glücklich." Ich strich ihm zärtlich über seine linke Wange. "Komm Paulchen, ich will dich." Paul fackelte nicht lange, nahm mich mit einem Ruck hoch und trug mich ins Schlafzimmer. Ich fand das sexy und liebevoll zugleich. Paul hatte starke Arme und das machte mich schon ziemlich an, wie er meinem Körpergewicht strotzte. Er legte mich sachte auf dem Bett ab und zog sich sein Tanktop über den Kopf. Für mich war Paul einfach der wunderschönste Mann der Welt. Seine Frisur schmeichelte ihm ungemein und machte ihn ganz besonders, weil sie nicht so häufig getragen wurde. Zudem liebte ich einfach seine Mimikfalten. In letzter Zeit hatte es nicht viel zu lachen gegeben, wenn aber einer ein offensichtlich fröhlicher Mensch zu sein schien, dann war es Paul. Die goldigen Falten um seinen Mund fand ich besonders schön an ihm. Ich kam aus dem schwärmen, zum Thema Paul, nie heraus, da mir immer noch etwas anderes Schönes an ihm auffiel. Das sexy Tattoo an seinem Hals, die goldigen Sommersprossen auf seinen Schultern, seine flache, dennoch definierte Brust, seine extrem männlichen Musikerhände, seine endlos schlanken und ganz vorzüglich aussehenden Beine und ganz zu schweigen, sein riesengroßer Schwanz. Ich hatte solch ein Glück mit ihm. "Du bist wunderschön, Paul." Er griff sich sogleich selbst in den Schritt und strich sich über seinen Penis. Dabei stöhnte er laut auf. "Zieh deine Hose aus Paul, ich will was von der Show mitkriegen." Er löste seinen Gürtel und öffnete die Knöpfe seiner weiten Hose. Er stieg aus ihr und ich konnte nun seinen erigierten Penis gut in seiner engen Unterhose sehen. Paul sah verboten gut in seinem kurzen Höschen aus. Ich biss mir auf die Unterlippe und Paul griff sich sogleich wieder an den Schwanz. Er strich sich selbst über seine Erektion und diese wurde immer größer. Ich konnte einfach nur starren, so dermaßen machte mich das an, wie er sich selbst anfasste. Er entledigte sich nach kurzer Zeit seiner Unterwäsche und stand nun nackt vor mir. "Du bist so wahnsinnig sexy, Paul. Ich habe wirklich großes Glück mit dir. Bitte hör nicht auf. Mach weiter, wo du aufgehört hast. Es macht mich ganz immens an, wie du dich selbst anfasst." Er nickte mir zu, holte sich noch ein Küsschen ab und begann dann mit seiner Linken über seine Brust zu streicheln und mit der Rechten holte er sich langsam einen runter. Immer wieder fuhr er sich über die schon harten Brustwarzen und pumpte sein Glied in seiner Hand. Nach kurzer Zeit konnte man sehen, wie Paul Erregungstropfen absonderte. Ich musste hart schlucken. Paul griff nun mit seiner Linken nach seiner Spitze und begann die Sehnsuchtstropfen auf seiner Eichel zu verreiben. Er keuchte laut auf. Mein eigener Schwanz war derweil schon stocksteif geworden und meine Hose war nur noch ein Fall für die Wäsche, so feucht war sie. Paul brachte mich auf Hochtouren und dabei hatte er mich noch nicht mal berührt. Nach einiger Zeit suchte Paul meinen Blick. Ich schaute ihm tief in die Augen. "Paul, ich bin total geil auf dich. Mein Höschen ist total feucht, deinetwegen." Wieder keuchte er laut auf, pumpte seine Erektion in der Rechten und umkreiste seine Eichel mit seinem linken Daumen. "Warum ist das so?", fragte er. "Weil du es dir hammermäßig selbst machst. Du tropfst schon vor Verlangen und dein praller Schwanz sieht dermaßen verführerisch aus." Er rieb sich weiter seine dicke rote Eichel und stöhnte wieder laut auf. "Ich komm gleich." "Ja, bitte komm für mich." Immer wieder griff er mit seinen Fingerspitzen der linken Hand um seinen Peniskopf und fuhr immer wieder sachte über die dick geschwollene und rot angelaufene, vor Geilheit triefende Spitze. Ich hatte selten etwas Geileres gesehen. Er massierte seine Eichel immer weiter und dann war es so weit, er warf den Kopf in den Nacken und spritzte ab. Mein Schwanz zuckte in meiner Hose und mein Unterleib brannte vor Verlangen. "Fick mich bitte sofort Paul. Dein harter Schwanz macht mich total an." Paul stieg zu mir aufs Bett. "Zieh dich aus", raunte er mir ins Ohr und so sollte es sein. Ich streifte das viel zu große Shirt, über meinen Kopf und entledigte mich der Shorts. Sofort drängte sich Paul an mich und rieb seinen Penis an meinem. Ich musste so laut aufkeuchen und mich an ihm festhalten. "Bitte!" entwich es mir aus meiner Kehle. Er zog mich eng auf seinen Schoß. Wie mich das anmachte, dass Paul die Kontrolle übernahm. Er strich mir zärtlich über den Rücken und meinen Arsch und umklammerte mich fest, dann suchte er mit seinen Fingern nach meinem Eingang, strich sachte darüber und fragte: "Darf ich?" Ich nickte entschlossen und küsste ihn zärtlich auf sein Schlüsselbein, dann leckte er sich über seinen Zeige und Mittelfinger und mir fielen fast die Augen aus dem Kopf, wie lasziv und fordernd und endlos langsam er das tat. Dann drang er in mich ein. Ich begann sofort gegen seine Finger zu stoßen. Ich war so erregt, ich musste sie einfach tiefer an meiner Prostata spüren. Ich drängte mich seinen Fingern entgegen und begann mich selbst mit ihnen zu ficken. Sein harter Penis rieb derweil an meinem harten Schwanz und ich umgriff einfach beide Erektionen, um ihn noch intensiver an mir zu spüren. "Du bist endlos scharf, wie du hier auf meinem Schoß sitzt und meine Finger fickst." "Paul, ich brauche es so sehr von dir, ich habe nie etwas mehr gewollt, wie das hier." Er keuchte laut auf und wieder rollte ich meine Hüften auf seine langen Finger. Dann aber zog er sie aus meinem engen Arsch und sagte: "Fick mich bitte. Ich brauche es von dir." Ich griff also nach seiner stahlharten Erregung, strich ihm über seine Penisöffnung, um die Lusttropfen auf meine Finger zu nehmen und verrieb sie dann an meinem Ausgang. Er keuchte aufgrund der Geste laut auf. Dann setzte ich mich auf Paulchens Schwanz. Die mächtige Eichel bohrte sich in mich und ich stöhnte laut und kraftvoll Pauls Namen. Die dick geschwollene Spitze drang tiefer in mein Inneres. Sein Schwanz war glühend heiß und füllte mich extrem aus. Ich begann Paul zu küssen und während sich sein heißer Schwanz noch tiefer in mich bohrte, keuchte er mir in den Mund. "Gott Paul, du bist einfach der Wahnsinn." "Dein enger Arsch ist total der Wahnsinn." Er zog mich ganz eng an sich. "Ich will, dass es wunderschön für uns wird. Nimm dir alle Zeit der Welt." Ich nickte, schaute ihm tief in die Augen und strich ihm über den Kopf. Ich begann uns langsam in seinem Schoß zu ficken. Sein harter Schwanz rieb druckvoll in mein Inneres und mein harter Schwanz presste an Pauls und meinen Bauch. Ich begann an Tempo zuzulegen und rammte Pauls Glied tiefer in mich. Paul griff derweil nach meinem Arsch, zog mich somit näher an sich und bohrte sich noch tiefer in mich. Dann stieß er sachte zu. "Ja, Paul, mehr", raunte ich. Er begann mich druckvoller zu ficken. Wie ich so auf Paul saß und auf ihn hinuntersah, wurde mir richtig warm ums Herz. Paul war so sexy und stark und zärtlich. Immer wieder stieß er in mich und mein Schwanz rieb über unsere Leiber. Mein Penis tropfte vor Verlangen. "Du fühlst dich so gut an." merkte Paul an. "Dass ich dich so in meinen Armen halten darf, macht mich zum glücklichsten Mann der Welt." "Und mich erst Paul. Der Sex ist total sinnlich und fühlt sich großartig an. Halt mich fest." Paul umschlang mich mit seinen starken Armen. "Ich lasse dich nie mehr los." Er fickte weiter bestimmend in mich und nach kurzer Zeit war ich so weit. Ich spürte die Hitze in meinem Unterleib aufsteigen. Die ständige Reizung meiner Prostata durch Pauls Schwanz, brachte mich zum Höhepunkt. Ich spritzte eine große Ladung Sperma auf meinen und Pauls Bauch. Paul machte unbeirrt weiter, stieß in mich und sagte: "Achtung, ich ziehe ihn gleich raus, ich bin so weit." "Nein Paul komm in mir." Er hielt kurz inne, schaute mir tief in die Augen und nickte mir dann zu. Er stieß noch einige Male in mich und dann überrollte ihn ein Wahnsinns-Orgasmus. Er schloss die Augen, öffnete seinen Mund und ließ den Orgasmus einfach über sich kommen. Er hörte auf in mich zu stoßen. Sein Schwanz pulsierte in mir. Er zog mich wieder eng an sich. Ich war so glücklich. Mir lief eine Träne aus dem linken Auge. Paul vergrub sein Gesicht an meiner Schulter und schluchzte: "Danke." Ich nahm sein Gesicht in beide Hände und schaute ihn an. Ihm standen die Tränen in den Augen. Ich küsste ihn sanft. Er packte zu als würde er ertrinken und dann begann er wirklich leise zu weinen. "Das überwältigt mich hier einfach. Es ist so wunderschön mit dir Liebling, ich danke dir so sehr." Ich strich ihm liebevoll über den Kopf und auch ich vergoss noch ein paar Tränen. Es war ein eigenartiges Gefühl, unendliches Glück über unsere Vereinigung und irgendwie blieb da aber ein fahler Beigeschmack wegen Richard. "Danke Paul, dass du so zärtlich mit mir bist. Es war wirklich atemberaubend. Wahrscheinlich der schönste Sex, den ich je hatte." Wir blieben noch lange miteinander vereint so eng umschlungen sitzen. Pauls Glied erschlaffte mit der Zeit und er rutschte dann aus mir heraus. Sein Sperma lief mir aus dem Arsch und tropfte ihm auf den Schoß. Er küsste mich ganz unbeirrt. Fordernd und dennoch liebevoll. Dann brach er den Kuss. "Komm, ich mache uns sauber." Wir gingen gemeinsam unter die Dusche. Paul stellte das Wasser an und begann mich überall einzuseifen. Er massierte meine Schultern und strich mir liebevoll über meine Brust. Dann ging er auf die Knie, wusch das Sperma von meinem Bauch und machte zärtlich meinen Penis sauber. "Umdrehen." ordnete er dann an und wusch mir hingebungsvoll die Kimme sauber. Er drang mit seinen seifigen Fingern in mich ein, um sein Sperma aus meinem Hintern zu waschen. Ich musste unweigerlich aufstöhnen, da es sich so gut anfühlte, was er da tat. Er leckte mir über meine Öffnung und wieder musste ich laut aufstöhnen. Wieder und wieder leckte er darüber und dann bohrte er seine Zunge ein wenig in mich. "Paul!" seufzte ich laut auf. "Lass mich dich ein bisschen verwöhnen." Wieder widmete er sich meiner Öffnung, er saugte leicht daran und mein Schwanz wurde ganz steif. "Oh Gott Paul." Er drang mit seinen Fingern in mich und suchte nach meiner Prostata. Als er sie gefunden hatte, musste ich mich vor Erregung an der Armatur festkrallen, damit mir nicht die Knie versagten. Er strich fest über meine Prostata und begann mir nebenher einen runterzuholen. Er küsste meine Arschbacken, stieß mit den Fingern seiner Linken in mich und massierte mit der Rechten mein Glied. Ich sah Sterne. "Paul, ich komme schon gleich, du bist fantastisch." "Ja bitte komm." Er strich mir erneut über die Prostata und ich fickte einige Stöße in seine Hand. Dann kam ich gewaltig. Ich spritzte eine große Ladung Sperma an die Wandfliesen. Paul stand sofort auf und zog mich in seine Arme. Er küsste mir in die Halsbeuge. "Dankeschön." hauchte ich. "Ich werde mich jetzt revanchieren." kündigte ich an. Ich drehte mich um, nahm etwas Waschlotion in meine Hand und griff Paul in den Schritt. Ich wusch ihm liebevoll seinen Penis sauber. Sein Glied war schon stocksteif und seine Eichel feuerrot. Sie sah so unwiderstehlich und köstlich aus. Also fackelte ich nicht lange, ging auf die Knie und nahm sie in den Mund. Ich umschloss sie mit meinen Lippen und saugte leicht an ihr. Paul begann sofort zu stöhnen. Ich leckte ausgiebig seine prominente, dick angeschwollene Eichel. Ich fuhr total auf Pauls Schwanz ab. Er hatte da wirklich ein Wahnsinns-Geschoss. Ich schluckte seine Länge und begann ihm zärtlich einen zu blasen. Paul strich mir liebevoll über den Kopf. "Du bläst wahnsinnig gut." Ich nahm seinen Penis aus dem Mund und antwortete: "Dein Schwanz ist so geil, das macht mich unheimlich an, deine Eichel zu umspielen." Er keuchte laut auf. Und ich machte weiter, wo ich aufgehört hatte. Ich leckte zärtlich seine Spitze und dann machte ich mich ebenfalls auf die Suche nach seiner Prostata. Als ich, mit meinen Fingern, in ihn eindrang und sie gefunden hatte, drängte sich Paul sofort meinen Fingern entgegen. "Oh Fuck." entwich es ihm. Ich massierte seine Prostata und saugte an seinem Schwanz und kurze Zeit später spritzte er mir eine Ladung Sperma in den Mund. Er kam mit einem lauten Keuchen. Dann sah er zu mir herunter. Ich zog meine Finger aus seinem Arsch und stellte mich hin. "Spuck aus", befahl er. Doch mein Schluckreflex war schneller gewesen. "Zu spät." zwinkerte ich ihm zu. "Mein Gott ist das geil. Erst darf ich in dir kommen und jetzt schluckst du auch noch runter. Ich bin total geplättet. Das macht mich unendlich an, weißt du. Du bist der beste Lover den man haben kann." "Danke Paulchen, das freut mich zu hören." "Wenn ich nicht schon drei Orgasmen gehabt hätte, würde ich sofort zur Tat schreiten und dich ficken." "Mach", antwortete ich einsilbig. Er schüttelte den Kopf. Griff aber sogleich nach der Waschlotion und seifte seinen Schwanz ein. Dann war meine Öffnung dran. Großzügig wurde sie von Paul eingeschmiert. Ich drehte mich dann mit dem Gesicht zur Wand und Paul drang sachte, mit seinem Hammerschwanz in mich ein. Er begann sofort in mich zu stoßen. Er zog mich eng an sich, umschloss mich mit seinen starken Armen und fickte mich stürmisch. Sein großer Schwanz rammte kräftig über meine Prostata und ich begann wieder Sterne zu sehen. Paul drängte sich enger an mich. Ich konnte sein Keuchen an meiner Halsbeuge spüren. Er fickte mich bestimmend in einem Höllentempo. "Paul, ich komme schon." Ich kam ganz allein durch die Stimulation meiner Prostata. Der Orgasmus war bombastisch, lang und intensiv. Paul griff nach meiner Kehle und auch er kam Sekunden später hart in mir. "Ich liebe dich so sehr." hauchte er mir, während er seinen Orgasmus in mir abritt, ins Ohr. Wir blieben noch eine ganze Weile so miteinander vereint stehen. "Ich liebe es deinen Schwanz im Arsch zu haben." verkündete ich. "Und ich liebe dich, Paulchen." Er umarmte mich fester. "Ich liebe dich auch, mein Herz." Wir wuschen uns sauber und kleideten uns frisch ein. Dann legten wir uns eng umschlungen ins Bett und ließen unseren ersten Sex Revue passieren. "Das war wirklich wunderschön." merkte Paul an. "Es war besser als wunderschön, Paul", antwortete ich. Wir blieben noch lange Seite an Seite im Bett liegen.

 

Gegen Abend klingelte es und Till stand draußen. Ich bat ihn herein. "Hey mein Bester." "Dir geht es wieder gut?" "Ja, ich hab mich beruhigt und war auch heute früh schon auf dem Friedhof. Ich danke dir so sehr für alles. Trinkst du was mit mir?" "Ja, gern Kaffee, schwarz." Wir gingen in die Küche und ich ließ zwei Tassen aus dem Automaten. Wir setzten uns an die Kücheninsel und dann fragte ich: "Darf ich mal die Komplettversion von Ohne dich sehen?" Till griff in seine Jackentasche und zog ein Kuvert heraus. "Ich hab's dir aufgeschrieben." Ich öffnete das Kuvert und zog die Karte darin heraus. Dann begann ich zu lesen. Dicke Tränen fielen auf die Karte. Was Till da aufgeschrieben hatte, passte wie die Faust aufs Auge. Ich begann bitterlich zu weinen. Auch Till konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Scheiß Drogensucht." fluchte er vor sich hin. "Es tut mir leid, dass ich nicht für dich da war, Till." "Du hattest selbst genug um die Ohren." "Ich bin in meiner Lethargie apathisch dahingesiecht, mehr nicht. Nichts habe ich getan. Das ist alles meine Schuld." Ich bekam eine schallende Ohrfeige von Till verpasst. "Red nicht so einen Schwachsinn. Wir sind alle erwachsen." schimpfte er mich. Doch dann zog er mich gleich in seine Arme. "Tut mir leid, ich kann das nur nicht sehen, wie du dich hier in der Verantwortung siehst. Du bist da in etwas hinein geraten, über das du keine Kontrolle hattest. Richard ist in letzter Zeit nicht mehr er selbst gewesen und das war bestimmt nicht deine Schuld." Ich nickte. "Was machen wir denn jetzt?" "Flake und ich müssen gucken, dass wir die Maßlosigkeit in den Griff kriegen. Das Problem muss angegangen werden. Tja und Schneider. Sein Anwalt hat mit mir telefoniert. Er ist voll schuldfähig und will auch keine Strafminderung einklagen. Er wird auf schuldig plädieren und schmort dann wohl die nächsten Jahre im Knast. Bald schon ist die Verhandlung." Ich nickte. "Ja und Ollie und Paul, die kommen schon klar. Was ist mit dir?" "Ich komme klar. Irgendwann mal. Paulchen macht das schon." "Apropos, bei dem war ich gestern. Der wohnt da gar nicht mehr. Habt ihr mir vielleicht irgendwas zu erzählen?" "Paulchen!", rief ich und da trat er auch schon in die Küche. Auch er hatte geweint, das konnte man deutlich sehen. "Hey Paulchen." ich zog ihn fest in meine Arme. Er begann bitter zu weinen. Ich zog ihn nur näher an mich. Auch Till kam dazu und herzte uns Beide ganz liebevoll. "Ich verstehe was hier abgeht. Das war doch nur eine Frage der Zeit." sagte Till. "Ich habe vollstes Verständnis für euch Beide. Richard hat dich ja schon seit Wochen nicht mehr mit dem Arsch angeguckt." "Danke Till." hauchte ich und küsste seine Schläfe. "Dann kann ich ja aufhören mir Sorgen zu machen." "Ja, das wird schon." Ich strich Paul zärtlich über den Kopf und knuffte Till in den Arm. "Du hast übrigens was gut bei mir." "Spinner! Ich muss los, tut nichts, was ich nicht auch tun würde." scherzte Till und dann fiel auch schon die Tür ins Schloss. "Alles wird gut, Paul." Er weinte noch ein bisschen an meiner Schulter, doch dann versiegten irgendwann die Tränen und er schaute mir tief in die Augen. "Ich liebe dich." "Ich dich auch Paulchen. Ich dich auch." Ich küsste Paul zärtlich und ergriff dann das Wort: "Lass uns ins Bett gehen, morgen sieht die Welt dann ganz anders aus." Wir legten uns ins Bett und ich nahm Paul in meine Arme. Er war so durch den Wind, dass ich ihn lange festhielt und seinen Kopf und Rücken streichelte. "Mach dir bitte keine Sorgen mehr, Paul. Wir gehören einfach zusammen. Ich liebe dich." Ich küsste seine Schläfe und zog ihn auf mich. So hielt ich ihn noch lange fest, bis seine Atmung schwer wurde und er eingeschlafen war. Am nächsten Morgen kam er dann wieder zu sich. Ich war schon wach. Er schaute mir tief in die Augen. "Tut mir leid wegen gestern, ich habe dich einfach hängen lassen." "Ist schon ok." "Nein, ist es nicht. Das war egoistisch von mir und kommt nicht wieder vor." "Ach Paul. Jetzt bist du derjenige, der zu hart zu sich selbst ist." "Verzeihst du mir?" "Mach dir doch bitte keine Vorwürfe, du haderst da mit einem Problem, dass es eigentlich nicht gibt. Das kommt einfach nicht mehr vor, also Schwamm drüber." "Ok. Mich hat das alles irgendwie überwältigt und nicht mehr losgelassen." "Lass einfach los Paul, du machst dir Sorgen wegen gar nichts." "Du hast ja recht." Er küsste mich innig. Wir blieben noch lange beieinander liegen. "Ich werde dir nie weh tun, hörst du?" "Weiß ich doch Paul." "Ich liebe dich so sehr." Wieder zog ich ihn an mich und küsste ihn sanft.

 

Wochen später.

 

Es war viel Zeit ins Land gezogen und noch einige schlimme Ereignisse waren zu bewältigen gewesen. Schneiders Gerichtsverhandlung, Richards Grab wurde mit dem Grabstein versehen und Rammstein wurde offiziell zu Grabe getragen. Es waren emotional hässliche Wochen gewesen und es wurden viele Tränen vergossen. Dennoch gab es Licht am Ende des Tunnels. Die ganzen nervenzehrenden Ereignisse sollten nun endlich ein Ende haben. Ich war dermaßen bereit ein neues Kapitel aufzuschlagen. So erwachte ich eines Morgens, trat hinaus auf die Dachterrasse und atmete tief ein. Es lag Frühling in der Luft. Die Sonne schien und ich musste lächeln. Es fühlte sich wirklich nach Neuanfang an. Ich checkte mein Telefon und es waren keine Mails mehr von Beileidsbekundungen, Anwaltsschreiben oder sonstigem unerfreulichen Firlefanz in meinem Posteingang zu finden. Ich legte das Telefon beiseite und grinste in mich. "Jetzt wird alles gut", sagte ich zu mir selbst. Ich ging ins Schlafzimmer zu Paul. "Hey." begrüßte er mich freundlich und zog mich sogleich in seine Arme. "Na, was gibt's neues?" "Gar nichts." "Oha." merkte er überrascht an. "Das Wetter ist fantastisch draußen." "Ich glaube es ja nicht. Wir führen Smalltalk über das Wetter." Er lachte und zog mich enger in seine Arme und strich mir liebevoll durch mein Haar. "Dass ich das noch erleben darf." Ich lächelte zurück. "Komm, wir fahren irgendwo hin, wo's schön ist." "Du meinst Urlaub?" "Klar, warum nicht. Ich habe das Gefühl, dass jetzt alles gut wird." "Ok. Lass uns irgendwo hinfahren. Wir haben es uns verdient." "Sollen wir die anderen fragen, ob sie auch Lust haben mitzukommen?" "Ich hatte eigentlich etwas anderes im Sinn." "Ach ja" "Ich warte jetzt seit so vielen Wochen darauf, dass hier so etwas wie Alltag einkehrt und heute scheint endlich der Tag X zu sein. Ich will nicht mehr warten, bitte heirate mich." "Oh Paul." Ich schlug liebevoll die Arme um ihn und zog ihn ganz eng an mich. "Ja, ja, ja, ja, ja" Ich vergrub mein Gesicht in seinen Haaren und umklammerte ihn fest. "Ich will. Unbedingt. Ich liebe dich so sehr, mein Sonnenschein." "Ich bin so froh, dass du ja sagst." Dann kramte er in der Nachttischschublade und holte ein Kästchen hervor. Es befanden sich R+ Merchandise Ringe darin, mit großem Logo auf der Front. "Sag, wenn es too much ist." "Nein, es kommt nichts anderes infrage. Du bist wundervoll." Ich küsste ihn innig. "Wann möchtest du denn gerne heiraten", fragte ich. "Im Sommer wäre schön. Was hältst du von Richards Geburtstag?" "Sollte der Tag nicht ihm vorbehalten bleiben?" "Ich fände es schön, seinen Geburtstag mit meinem Hochzeitstag zu verbinden." "Ich liebe dich." Ich küsste ihn zärtlich und musste mir eine Träne aus dem Augenwinkel streichen." "Weine nicht, ich meine es nicht böse." "Ich weiß doch, es schmerzt manchmal noch zu sehr." "Ich weiß, es ist hart. Vielleicht wird es irgendwann besser." "Vielleicht." "Du hast ja damals Richards Nachnamen angenommen. Behältst du ihn?" Ich nickte. Ich konnte überhaupt nichts mehr sagen. Mir standen die Tränen in den Augen. Paul zog mich sofort an sich. "Es tut mir im Herzen weh, wie sehr du leidest. Ich hoffe wirklich, dass es eines Tages besser wird." schluchzte Paul. Wir weinten noch einige Zeit ganz eng umschlungen miteinander und dann fand ich meine Stimme wieder. "Nimm doch unseren Nachnamen zu deinem hinzu. Landers-Kruspe hört sich schön an." Ich strich Paul liebevoll über die Haare. Er schaute mich eindringlich an und mit tränenerstickter Stimme entgegnete er mir: "Es wäre mir eine Ehre." "Ehre wem Ehre gebührt, mein Liebling. Ich weiß doch, dass es dich glücklich macht." "Ich danke dir so sehr", raunte er. Wir küssten uns ausgiebig und zärtlich und lagen noch lange miteinander im Bett und probierten schon mal die Ringe an. Ich griff nach Pauls Hand. "Das fühlt sich goldrichtig an. Ich liebe dich." "Ich liebe dich auch."

 

Ich rief gegen später beim Standesamt an und bestellte das Aufgebot für den 24. Juni. Der 24. Juni wurde somit zum schönsten Tag in meinem Leben. Wir feierten unsere Hochzeit und zeitgleich Richards Geburtstag. Es hätte nicht besser sein können. Mit Paul, als mein Rettungsanker, war der perfekte Mensch in mein Leben getreten. Liebevoll, wunderschön und so voller Respekt der Vergangenheit gegenüber. Ich liebte ihn unendlich viel. Ich ließ ihn nie wieder alleine. Mein Paulchen.